Warum kennt eigentlich kaum jemand das TENS-Gerät?

Ich hatte in meiner ersten Schwangerschaft nie etwas von einem TENS-Gerät gehört. Keine Hebamme hatte mir davon erzählt, bei meinem Gynäkologen war es sowieso kein Thema und auch in meinem Geburtsvorbereitungskurs kam es nicht vor.

Erst während meiner zweiten Schwangerschaft bin ich durch einen Podcast darauf gestoßen. Ich war definitiv skeptisch. Gleichzeitig dachte ich mir: Was habe ich schon zu verlieren? Also habe ich mir tatsächlich ein TENS-Gerät für die Geburt gekauft.

Und rückblickend bin ich darüber ziemlich froh, denn für mich was dieses kleine Gerät ein Game Changer.

 

Was ist ein TENS-Gerät überhaupt?

TENS steht für Transkutane Elektrische Nervenstimulation und ist eine nicht-medikamentöse Möglichkeit, die dich im Umgang mit Wehenschmerzen unterstützen kann. Das Gerät selbst sieht ein bisschen aus wie ein kleines Walkie-Talkie. Über Kabel ist es mit Elektroden verbunden, die auf die Haut geklebt werden – bei der Geburt üblicherweise auf den Rücken.

Über diese Elektroden gibt das Gerät elektrische Impulse ab. Die Intensität kannst du selbst regulieren und damit anpassen, was sich für dich gerade angenehm bzw. hilfreich anfühlt.

Und genau diese Impulse können unsere Schmerzwahrnehmung beeinflussen.

 

Wie kann TENS bei Wehen helfen?

Vereinfacht erklärt bekommt dein Nervensystem durch das TENS-Gerät neben den Signalen der Wehen einen zusätzlichen Reiz, der das Gehirn von den Wehen ablenkt. (Unser Gehirn ist nämlich gar nicht so multitasking-fähig wie wir gern denken ;-).

Vielleicht kennst du etwas Ähnliches aus dem Alltag: Wenn du dich irgendwo stößt, reibst du ganz automatisch über die schmerzende Stelle. Dieser zusätzliche Reiz kann beeinflussen, wie intensiv du den eigentlichen Schmerz wahrnimmst.

Das bedeutet allerdings nicht, dass du mit TENS plötzlich keine Wehen mehr spürst. Du nimmst die Wellen weiterhin wahr. Sie können sich für dich durch TENS aber anders bzw. weniger intensiv anfühlen.

Außerdem kann TENS die Ausschüttung von Endorphinen unterstützen kann; das sind – sind vereinfacht gesagt – die „körpereigenen Schmerzmittel“.

Wie gut TENS funktioniert, ist dabei individuell. Nicht jede Gebärende empfindet die Wirkung gleich stark. 

 

Meine Erfahrung mit TENS während der Geburt

Als bei meiner zweiten Geburt die ersten Wellen anfingen, habe ich – wie empfohlen –  mir die Elektroden frühzeitig von meinem Mann aufkleben lassen. So konnte ich ein bisschen mit den Einstellungen spielen und mich an das Gerät gewöhnen, während es gleichzeitig meine Endorphin-Produktion anregte.

Und dann war ich wirklich überrascht: Ich habe meine Wellen über einen langen Zeitraum als ziemlich entspannt wahrgenommen und konnte unglaublich gut mit ihnen umgehen. So gut sogar, dass ich das TENS-Gerät heute mit einem kleinen Augenzwinkern mit dafür verantwortlich mache, dass wir es am Ende nicht mehr ins Geburtshaus geschafft haben. Ich hatte schlicht nicht das Gefühl, schon so weit in der Geburt zu sein. (Zum Glück war das für uns letztendlich überhaupt kein Problem). 

 

Warum du TENS möglichst früh einsetzen solltest

Wenn du TENS bei deiner Geburt ausprobieren möchtest, würde ich dir einen Punkt besonders ans Herz legen: Beschäftige dich nicht erst damit, wenn deine Wellen bereits sehr intensiv sind. Informiere dich vorher darüber, wie dein Gerät funktioniert, wo die Elektroden angebracht werden und wie du die Intensität regulierst.

Und wenn die Geburt beginnt, setze das Gerät bereits frühzeitig ein. Das macht einen riesigen Unterschied.

 

Ist ein TENS-Gerät also ein Muss für jede Geburt?

Nein. Und ich würde dir auch niemals versprechen, dass deine Geburt mit einem TENS-Gerät schmerzfrei oder automatisch leichter wird.

Geburten sind individuell. Körper sind individuell. Und auch die Art, wie wir Schmerzen wahrnehmen und womit wir während einer Geburt gut umgehen können, unterscheidet sich. Aber ich finde, jede Schwangere sollte zumindest wissen, dass es diese Möglichkeit gibt.

Denn genau das hätte ich mir bei meiner ersten Schwangerschaft gewünscht.

Ich möchte nicht, dass du erst nach deiner Geburt zufällig erfährst, welche Möglichkeiten du währenddessen gehabt hättest. Eine gute Geburtsvorbereitung bedeutet für mich nicht, dir vorzuschreiben, wie du gebären sollst. Sie bedeutet, dir Wissen und verschiedene Werkzeuge an die Hand zu geben, damit du selbst entscheiden kannst, was zu dir und deiner Geburt passt.

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